Donnerstag, 12. Februar 2015

Färbebericht Liguster

Mit reichlicher Verspätung folgt hier nun mein detailierter Färbebericht.

Gefärbt habe ich  sowohl mit Ligusterbeeren, die vollreif im Spätherbst noch vor dem ersten Frost geerntet und dann eingefroren wurden (erster Zug).  Die Beeren für den zweiten Zug habe ich im Januar nach reichlich Frost gepflückt und dann getrocknet.

Erster Zug

Die Wolle wurde mit 15% Alaun 1 Std. bei 80°C vorgebeizt, drei Tage feucht in der Beize gelagert und danach nur kurz warm gespült.

Ca. 400% tiefgefrorene Ligusterbeeren habe ich aufgetaut,
grob gestampft und dann 24 Std in Regenwasser eingeweicht.

Die Färbung erfolgte als Direktfärbung mit den Beeren und der Wolle in einem Topf ca 1 1/2 Std bei 70°C. Ausgeflottet wurde erst nach dem Abkühlen über Nacht.
Die Wolle nahm die Farbe gut auf und färbte sich zunächst sehr schön mittelblau. Leider schwand der Blauanteil schon beim Trocknen im Schatten und übrig blieb ein Taubenblaugrau.
1. Zug rechtes Knäuel, 2. Zug links










Zweiter Zug

Für diese Färbung habe ich ein Rezept des Färbemeisters Leuchs von 1846 ausgesucht, das im Schweppe  aufgeführt ist. Der Färber gibt an, auf diese Weise sowohl auf Wolle als auch auf Leinen stabile dunkle Blautöne erzielen zu können. Als Besonderheit werden hier die Beizen zunächst mit dem Färbegut gekocht , dann filtriert und danach gibt man die ungebeizte Wolle in die Flotte.

Ca 120% getrocknete Ligusterbeeren habe ich im Mörser grob zerstoßen, mit 3% Eisensulfat und 10 % Alaun ca. 3 Std  in Regenwasser eigeweicht und dann bei 80°C 1 Std. erhitzt. Das im warmen Zustand nach dem Abseihen  noch lilafarbene Filtrat färbt sich, ganz wie im Rezept angegeben, bei Abkühlung blau um.

In die dunkelblaue kalte Flotte habe ich die nasse ungebeizte Wolle eingelegt, bei 80°C ca 1Std gefärbt und dann über Nacht in der Flotte auskühlen lassen. Obwohl die Färbeflotte eine sehr intensive Farbe hatte, nahm die Wolle die Farbe nicht besonders gut an. Das Farbergebnis war ein reines stabiles Grau ohne jeglichen Blauanteil.


Auf einem mitgefärbten Stück Baumwolle konnte ich ebenfalls nur einen Grauton erzeugen.


Fazit
Auch bei der Ligusterbeerenfärbung handelt es sich um eine Anthocyanfärbung und alle Anthocyanfärbungen sind etwas heikel und unsicher, was das Endergebnis anbetrifft. Um  stabiles Blau zu erhalten, sollte man  eher auf Indigoverwandte zurückgreifen.
Beim zweiten Zug hat sich die Theorie bestätigt, dass sich die Beizen direkt an die Färbedroge binden, wenn man sie mit dieser gemeinsam erhitzt, und so das effektive Aufziehen des Farbstoffes auf die Wolle eher blockiert als gefördert wird.
Dennoch bin ich mit dem Ergebnis nach anfänglicher Enttäuschung jetzt ingesamt zufrieden. Zusammen mit meinen "Mitblaufärberinnen" haben wir sehr schöne harmonierende Blau-,Grün- und Grautöne erzeugen können.


Saskia







Mittwoch, 7. Januar 2015

Steckbrief Gerber-Akazie (Acacia catechu)

Die Gerber-Akazie ist eine in Südasien beheimatete Art der Gattung der Akazien. 


Quelle: wikipedia.de

Verbreitung

Natürliche Vorkommen finden sich in der Volksrepublik China, in Bangladesch, Bhutan, Indien, Myanmar, Nepal, Pakistan, Sri Lanka und Thailand. Da sich die Art in Kultur befindet existieren jedoch auch neophytische Vorkommen zum Beispiel auf Java. 

Vegetative Merkmale

Die Gerber-Akazie ist ein laubabwerfender Baum, der Wuchshöhen zwischen 6 und 10 Meter erreicht. Die Borke ist brüchig und reißt in flächige Streifen auf. Die Zweige besitzen eine flaumig behaarte Rinde und tragen häufig ein paar hakenförmige Dornen unterhalb der Nebenblätter. Die Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert.

Quelle: wikipedia.de
 

Das Färben der Baumwolle

Ich habe die Baumwolle mit einer Mischung aus 8% Alaun und 6 % Weinsteinrahm gebeizt.

Gefärbt wird dann mit dem Catechu-Pulver. Dies ist ein Extrakt aus dem Holz der Pflanze, welches Wolle, Seide, Baumwolle und Leder färbt.

Färbeprozess:
  1. Das Catechu-Pulver mit etwas heißem Wasser in einer kleinen Schale zu einem dickflüssigen Brei verrühren (Verhältnis Wollgewicht zu Catechu-Pulver: 1:1)
  2. Ca. 5l lauwarmes Wasser in das Färbegefäß geben und den Brei hinzufügen und so lang rühren, bis sich alles aufgelöst hat.
  3. Die Baumwolle hinzufügen und langsam zum Kochen bringen. Das ganze dann bei ca. 90-95°C ungefähr 1 Stunde unter gelegentlichem Umrühren köcheln lassen.
  4. Die Wolle aus dem Farbbad entnehmen und kurz auskühlen lassen. Dann mit handwarmen Wasser und etwas milder Seife durchspülen, bis das Spülwasser klar bleibt. An der Luft trocknen lassen.
Für den zweiten Zug habe ich den ganzen Prozess noch einmal mit der bereits abgekühlten Färbeflotte durchgeführt.

1. und 2. Zug
 
Die Farbe des 1. Zuges würde ich mit rehbraun beschreiben, die des 2. Zuges lachsfarben.

Der Färbeprozess wurde in Anlehnung an das Buch „Das große Handbuch Natürlich Färben“ von Eva Lambert und Tracy Kendall durchgeführt.