Mittwoch, 19. November 2014

Baumwolle färben mit Färber-Hundskamille

Ooohps. Warum denn Färberkamille? Geplant war das nicht. Eigentlich wollte ich mit Liguster (grün) färben. Doch das wollte nicht gelingen. Ein über das Jahr dauernder riesiger Umzug und die ewige Wartezeit auf das Baumwollgarn haben mir letztlich wenig Zeit gelassen, um so lange zu experimenteren, bis ich mit dem Farbauftrag zufrieden gewiesen wäre. Nach dem die ersten zwei Experimente so gar keine Farbe aufs Garn brachten habe ich mich kurzer Hand entschieden, mit Kamille zu färben.


 
V.l.n.r.: 60% 1. Zug, 100% 2. Zug, 100% 1. Zug.


Obwohl ich die Strahlkraft der Blüten über den ganzen Sommer im Garten sehr mag, gehörte die Färberkamille bisher nicht zu meinen liebsten Färbepflanzen. Einer meiner ersten Färbeversuche war mit am Feldrand gepfückten und liebevoll getrockneten Färberkamillenblüten. In Anlehnung an Dorothea Fischer habe ich damit später eine 200%-Färbung auf einer Wollprobe gemacht - und war so enttäuscht. Die ersten Züge waren Goldbraun, erst ab dem vierten Zug kamen schöne Gelbtöne zum Vorschein. Seit dem habe ich die Blüten nur für Solarfärbungen verwendet. Erst in der intensieveren Auseinandersetzung für das Baumwollprojekt ist mir aufgefallen, dass das Rezept von D. Fischer sich auf Kamillenblüten - nicht auf Färberkamille - bezieht. Der optimale Zeitpunkt für einen Neustart! Um ersteinmal auszutesten, wieviel Prozent des Garngewichts ich von den Blüten denn nun - und dann noch auf Baumwolle - benötige, habe ich eine Probe mit 60% gefärbt. Nach dem Waschen war die Farbbrillianz verschwunden, und das Gelb entwickelte einen Grünstich. Für einen lohnenden zweiten Zug war das keine verheißungsvolle Grundlage. Um aber definitiv kein Braun zu färben wollte ich nicht höher als 100% gehen. Die beiden Garnproben waren zusammen mit den Projektgarnen in einem Farbbad.

V.l.n.r.: 100% Färberkamille 1. und 2. Zug.


Bisher hatte ich nur Baumwollstoffe für ecoprints gebeizt aber noch nie Baumwollgarne pflanzlich gefärbt. Der Farbauftrag bei den Prints war aber soweit in Ordnung, dass ich das Beiz- bzw. Vorbereitungsverfahren für die Garne übernommen habe. Gelesen hatte ich davon bei nemo-ignorat.


Vorbeiten und Beizen:
2 Esslöffel Waschsoda in 10 Litern kochend Wasser auflösen und die Baumwollgarnstränge darin 1 Std. sieden lassen. Noch heiß gründlich ausspülen.
Gebeizt habe ich im Heißverfahren mit 20% Alaun für 1 Std. Anschließend wieder gut gespült.

Färben:
Die 100% getrockneten Blütenköpfe der Färberhungskamille habe ich aus Zeitgründen mit kochendem Wasser überbrüht und 1 Std. ausgekocht. Da ich Kontaktfärbungen, oder vielmehr das stundenlange Raussuchen von Pflanzenresten aus dem Garn, so gar nicht mag, habe ich die Farblösung anschließend durch eine Mullwindel abgeseiht und die Blüten darin eingebunden.
Den ersten und den zweiten Zug Baumwolle habe ich wiederum jeweils eine Stunde sieden lassen und anschließend direkt entnommen und ausgewaschen. Nun war das Farbbad noch überhaupt nicht erschöpft und der Farbbeutel wartete auch nch auf seinen Einsatz. Deshalb habe ich im dritten Zug noch 100g Mohair-Angora-Garn mit dem Farbbeutel gefärbt. 
Wie zu erwarten haben die tierischen Haare die Farbe stärker aufgenommen als die Baumwolle. Die Färbung auf den Haaren kommt dem ersten Zug auf Baumwolle recht nahe, hat aber eine stärkere Farbsättigung. 

V.l.n.r.: 100% 3. Zug aud Mohair-Angora, 2. Zug auf Baumwolle, 1. Zug auf Baumwolle.


Allgemein habe ich bei diesem Projekt die Erfahrung gemacht, dass die Farbe auf Baumwolle nicht nur schwächer aufzieht, sondern aufgrund der anderen Struktur auch stumpfer wirkt und dadurch weniger das für Naturfarben typische satte Strahlen aufweist. Dieser Effekt entsteht während des Trocknens. Im Gegensatz zu Woll- und Tierhaaren werden die Farben beim Trocknen wesentlich heller. Dadurch ist es direkt nach dem Färben ohne bisher sonderliche Erfahrung schwerer einzuschätzen, wie die endgültige Farbe des fertigen Garnes aussehen wird. Meine Neugier auf Baumwollfärbereien hat sich eher noch verstärkt und ich werde in den nächsten Jahren sicherlich weitere Versuche anstellen, noch sattere Farben und ein Regenbogenspektrum zu erzielen...

Quelle: http://it.wikipedia.org/wiki/File:13_Anthemis_tinctoria.jpg

Einen sehr informativen Steckbrief zur Färberhundskamille gibt es von Anne auf dem Blog von "Pflanzenfarben 2013", hier. Ihr Färbebericht zum Färben auf Wolle ist auch auf dort erschienen.

Viele Grüße
Laura



Kommentare:

  1. Schöne Farbe und in natura noch viel lebendiger.
    LG ute

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  2. Ich wollte meinen Beitrag zum Färben der Baumwolle mit Katechu einstellen, habe aber dann bemerkt, dass ich keine Schreibrechte besitze. An wen kann ich mich da wenden?

    VG Carolin

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  3. Hallo Carolin

    Schreib mir bitte eine Mail mit deiner Blogger-Mailadresse. Ich muss dich als Autor einladen, dann klappt das auch.

    shop@pflanzenfaerber.eu


    Grüße
    Stefan

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