Freitag, 12. September 2014

Steckbrief Goldrute


Kanadische Goldrute

Solidago canadensis

Familie: Korbblütengewächse

 

Beschreibung: 

Die Kanadische Goldrute wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen zwischen 50 und 200 (bis 250) Zentimeter. Die Stängelblätter sind lanzettlich und im vorderen Bereich gesägt. Die Blattunterseite und Stängel dicht abstehend kurzhaarig, letzterer später an der Basis verkahlend.
Sie bildet zahlreiche, einseitswendige, deutlich gestielte, gelbe Blütenköpfchen auf der Oberseite der Rispenzweige. Die Rispenäste sind bogig gekrümmt. Die Zungenblüten sind kaum länger als die Röhrenblüten und überragen die Blütenhülle nicht. Die Blütezeit reicht von August bis Oktober. Die Bestäubung erfolgt durch Fliegen, Schwebfliegen und Falter. (Quelle: Wikipedia.de)
Ich beobachte auch viele Bienen, die die Goldrute als eine der letzten Pollenquellen nutzen.

Vorkommen und Standort: 
Sie wurde 1645 als Zierpflanze nach Europa gebracht. Sie wächst praktisch überall, bevorzugt tiefgründige Sand-, Lehm- und Tonböden. Die Goldrute wächst auch auf Brachflächen, Schutthalden, Weg- und Gewässerrändern, auch in Auwäldern. Mittlerweile ist sie auch in Höhen über 1200m anzutreffen. Also praktisch überall. Da liegt auch das Problem: Die Goldrute bildet dichte Bestände und verhindert damit die Sukzession, die Keimung von anderen Pflanzen, z.b. Gehölzpflanzen wird verhindert.
 
Verwendung:
Die Goldrute (sowohl die Kanadische wie auch die gewöhnliche) wirken stark harntreibend und werden in der Naturmedizin bei Nieren- und Blasenleiden eingesetzt. 

Verwendete Teile:  

Blätter und Blüten
Zum Färben habe ich die Blätter und noch geschlossenen Blüten kurz vor dem Aufblühen verwendet (ich habe dazu unterschiedliche Angaben gefunden, es können auch die blühenden Pflanzen verwendet werden) 

Inhaltsstoffe: 

Farbstoffgruppe der Flavonoide (Quercetin, Isoquercitrin, Kämpferol, Astragalin, Isorhamnetin) (Quelle: E. Prinz: Färberpflanzen) 

 

Färberezept(e):    

Ich habe die Rezepte von bekannten Autoren gemischt.
Vorbeize 20% Alaun, 
Färbung mit 200% trockenen bzw. 400% frischem Pflanzenmaterial
Die Pflanzenteile über Nacht einweichen, dann für ein bis zwei Stunden sieden. Die Wolle wird für eine Stunde darin gesiedet. Zwei Züge sind (mindestens) möglich.
Der 2. Zug kann mit Eisensulfat bzw. Eisenwasser zu moosgrün nuanciert werden. 

Färbevorgang: 

Vorbeize: 20% Alaun 
Das Alaun habe ich in reichlich Regenwasser aufgelöst. In diese Lösung habe ich die Wolle eingelegt und 14 Tage bei Raumtemperatur (hier besser Balkontemperatur im Hochsommer) beizen lassen. Dass es dadurch keinen Unterschied zu dem einstündigen Heißbeizen durch Kochen gibt, habe ich schon mal getestet.
Die Wolle wurde dann gespült und feucht in die Fäbeflotte gegeben.
Färbeflotte: Ich habe 400% frisches Kraut (demzufolge 2kg Material) mit Blütenständen zerkleinert (in einem großen Kübel mit der Heckenschere ging das ganz gut) und in Regenwasser über Nacht eingeweicht.
Am nächsten Morgen wurde dann der Sud zum Kochen gebracht und 2 Stunden gekocht.
Da selbst mein 30-Liter-Topf mit Färbebeutel und Wolle sehr eng wird, habe ich mich für eine Kontaktfärbung entschieden.
Ich habe die Hälfte der Wolle mit etwa der Hälfte des Pflanzenmaterials in den Topf geschichtet und für eine Stunde Sieden lassen. Zwischendurch wurde die Wolle vorsichtig bewegt.
Diese wurde dem Farbbad entnommen. Nun landete der Rest der Wolle zusammen mit den verbliebenem Pflanzenmaterial im Topf und siedete ebenfalls eine Stunde.
oben erster, unten zweiter Zug, beides noch feucht und ungespült
Zum Nuancieren habe ich die Pflanzenteile aus der Flotte entfernt und die Wolle ausgeschüttelt, um sie weitestgehend von Pflanzenteilen zu befreien.
Der Farbflotte habe ich einige Esslöffel Eisenwasser und die Wolle aus dem 2. Zug zugegeben. Das Ganze erhitzt und die Wollstränge abwechselnd an die Luft gehoben, um das Grün zu vertiefen. 
Anschließend wurde die Wolle gewaschen und gespült. Dem letzten Spülgang habe ich etwas Essig zugegeben.

Färbeergebnis:

Da ich letztes Jahr schon mal mit der Goldrute gefärbt habe, kann ich einen Vergleich ziehen, auch wenn ich leider kein Foto vom letzten Jahr habe. Die Ergebnisse waren deutlich heller und grünstichiger.
Das hatte ich allerdings als lose Flocke gefärbt, also keine Kontaktfärbung. Der wahrscheinlich größere Unterschied besteht vermutlich im Färbetopf, die angeschlagenen Stellen im Emailletopf habe ich vor der Färbung mit Heizkörperlack gestrichen und so konnte sich kein Eisen vorzeitig an die Färbeflotte abgeben.

Geschichte und Anmerkungen:

Es gibt auch andere Arten der Goldrute, z.B. gewöhnliche Goldrute (Solidago virgaurea) oder die Riesengoldrute oder Späte Goldrute (Solidago gigantea). Alle sind zum Färben gleichermaßen geeignet.
So reizvoll die Goldrute im Herbst mit den Blüten und im Winter mit den sehr aparten trockenen Blütenständen auch anzuschauen ist, weiß jeder Gärtner, wie hartnäckig sie sich breit macht. Sie bildet Rhizome, die dichte Bestände bilden und sich nur mühsam entfernen lassen. Sie produziert zudem an jeder Blütenrispe bis zu 15.000 Samen, die flugfähig sind und sich so massiv verbreiten. Also ist das Färben mit diese Pflanze aktiver Naturschutz! 

Bezugsquellen:  

Man kann getrocknetes Goldrutenkraut in diversen Onlineshops bestellen, da sie aber praktisch überall wächst, ist es unproblematisch, diese selbst zu ernten. Ich habe für die Färbung den Bestand im Kleingarten etwas dezimiert, das war dringend nötig und kein Verlust.

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