Sonntag, 23. Februar 2014

Steckbrief Rainfarn



Rainfarn
Tanacetum vulgare
Synonym: Chrysanthemum vulgare

Da die Pflanze häufig an Wegrainen zu finden ist und ihre Blätter denen der Farne gleichen, erhielt sie den Namen Rainfarn. Schon im Mittelhochdeutschen nannte man sie Reinvane. Weitere volkstümliche Bezeichnungen sind Reinefaren, Regenfahn, Milchkraut, Drusenkrud und seiner damaligen Verwendung wegen auch Wurmkraut. Der Gattungsname Tanacetum ist seit dem 9. Jahrhundert bekannt, sein Ursprung ist aber unklar. Der ältere, griechische Gattungsname Chrysanthemum setzt sich zusammen aus chrysos für Gold und anthemon für Blume. Er nimmt damit Bezug auf die goldgelben Blüten. Der Artname des Rainfarns ist vulgare (gewöhnlich) und steht für das häufige Vorkommen der Pflanze.
Der Rainfarn zählt zu den Kompasspflanzen, die ihre Blätter im vollen Sonnenlicht genau senkrecht nach Süden richten.


Familie:                  Korbblütler(Asteraceae)
Beschreibung:     Der Rainfarn ist eine stark wuchernde, ausdauernde krautige Pflanze. Er erreicht eine Höhe von 60 bis 130 cm. Er bildet ein Rhizom. Die wechselständigen, dunkelgrünen, länglichen, gefiederten Laubblätter duften stark. Die unteren Laubblätter sind gestielt, die oberen sitzend. Die ganze Pflanze enthält stark riechende ätherische Öle (Kampfer, Borneol, Thuion) und Bitterstoffe, die die Einstellung zum Rainfarn zur Geschmackssache machen: Manche Menschen mögen dessen Geruch, andere fühlen sich davon abgestoßen.
Er trägt von Juni bis September in doldenrispigen Gesamtblütenständen leuchtendgelbe, körbchenförmige Teilblütenstände. Insgesamt sehen die Blütenkörbchen wie Gülden Knöpfle oder Westenknöpfe aus (so lauten volkstümliche Namen); Kinder verwenden sie als Spielgeld. Die glatten Hüllblätter sind 4 mm lang und 2 mm breit. Es sind keine Spreublätter vorhanden. Die Blütenkörbchen weisen einen Durchmesser von 1 cm, eine Höhe von 5 bis 6 mm auf und enthalten etwa 100 zwittrige Röhrenblüten. Die gelben Röhrenblüten sind bis zu 2,3 mm lang. Zungenblüten fehlen.
Die glatten, fünfrippigen, etwa 1 mm langen Achänen besitzen meist keinen Pappus oder höchstens einen krönchenförmigen Saum.
Vorkommen und Standort:        Man findet die Pflanze sehr häufig an Wegen, auf Brachland sowie an Waldrändern und Dämmen. Sie benötigt nährstoffreichen Lehmboden. Vielfach wird der Rainfarn auch als Zierpflanze in Gärten angepflanzt. Er wächst fast in ganz Europa.
Verwendung:
·         Verwendung als Duftpflanze
Die stark duftenden Blätter sowie die Blüten des Rainfarns, die Insekten abweisende Wirkstoffe enthalten, wurden früher ausgestreut, um Ungeziefer fernzuhalten. Im kolonialen Nordamerika wurde Rainfarn in Särge gelegt und Leichentücher wurden mit Rainfarnextrakt getränkt. Rainfarn wurde auch angepflanzt, um den Kartoffelkäfer zu vertreiben. Nach einer Studie wurde dadurch der Kartoffelkäfer-Befall um 60-100% reduziert. Getrocknete Rainfarnblätter werden in der Imkerei verwendet, um die Bienen zu beruhigen.
·         Verwendung in der Pflanzenheilkunde
In den antiken Schriften ist der Rainfarn nicht zu finden. Die erste schriftliche Überlieferung findet sich im Capitulare Karls des Großen. Rainfarn wurde früher bei Wurmerkrankungen eingesetzt, allerdings rufen größere Mengen als 1 bis 3 Gramm Rainfarn Vergiftungserscheinungen hervor, sodass man heute im Falle von Wurmerkrankungen auf andere, wirkungsvollere und harmlosere Mittel zurückgreift. Verbreitet war auch seine Verwendung gegen Ungeziefer. Eine Waschung sollte Flöhe und Kopfläuse vertreiben. Die gepulverte Pflanze verwendete man als Mottenmittel und das Öl bei Rheuma.
In der Tierheilkunde wird der Tee Kälbern und Kühen bei Durchfall verabreicht. Als Breiumschlag soll Rainfarn bei Quetschungen, Rheuma und Krampfadern helfen. Das Laub kann Hautreizungen verursachen. Rainfarnöl ist ein starkes Gift, dessen innere Anwendungen nicht unbedenklich sind, weil sie zu Allergien und Vergiftungen führen können.
Aber auch zur Stärkung von Kulturpflanzen in unseren heutigen Gärten hat sich Rainfarn bestens bewährt. Die im pulverisierten Reinfarn enthaltenen Faserstoffe, Gerbstoffe, ätherischen Öle und Tanacetin stärken Obst und Gemüse und schrecken schädliche Insekten ab. Mit Rainfarn-Extrakt gegossene Pflanzen werden weniger häufig von Kohlweißlingen, Möhrenfliegen, Apfelwicklern, Weichwanzen oder Raubfliegen befallen.
·         Rainfarn als Färbepflanze
Der Rainfarn wird auch als Färbepflanze verwendet. Die Blütenköpfe des Rainfarns ergeben zusammen mit dem Beizmittel Alaun einen dunkelgelben Farbton. Für die Beize werden 12 bis 20 g Alaun auf 100 g Wolle genommen. Dunkelgrün wird die Färbung mit einer Alaunvorbeize, Eisensulfat-Nachbeize und Ammoniak-Entwicklungsbad. Man braucht etwa 400 g frische Blüten für 100 g Wolle.
·         Rainfarn als Allergiepflanze
Der Rainfarn kann auf der Haut Kontaktallergien auslösen. Sesquiterpenlactone sind dafür verantwortlich. Als Hauptwirkstoff kommt Parthenolid in Betracht, neben einer ganzen Reihe anderer Kontaktallergene wie: Crispolid, Tanacetin, Reynosin, und 1-beta-Hydroxy-arbusculin A. Vor allem Floristen und Blumenzüchter können von Kontaktallergien betroffen sein.
·         Wirtspflanze
Der Rainfarn ist die Futterpflanze einer Reihe von Raupen. Insbesondere finden sich am Rainfarn Raupen des Rainfarn-Mönchs Cucullia tanaceti, des Smaragtspanners Antonechloris smaragdaria, sowie anderer Spanner und Eulenfalter. Die Sackträgermotte Coleophora tanaceti  ist ganz auf den Rainfarn spezialisiert. Im Stängel des Rainfarns leben die Raupen der Palpenmotte Isophrictis striatella.
Zwei Käfer leben am Rainfarn, der Rainfarn-Schildkäfer Cassida stigmatica und der Rainfarn-Blattkäfer Galeruca tanaceti. Daneben gibt es noch die Rainfarn-Weichwanze Megalocoleus tanaceti. Der Rainfarn-Schildkäfer wurde zusammen mit der Palpenmotte Isophrictis striatella und den beiden auf den Rainfarn spezialisierten Gallmücken Rhopalomyia tanaceticola und Clinorrhyncha tanaceti zur biologischen Bekämpfung des Rainfarns in der kanadischen Provinz Saskatchewan eingesetzt  Die Erzwespe Torymus tanaceticola parasitiert in den Gallen des Rainfarns. Gallen am Rainfarn werden auch von der Gallmilbe Aceria tuberculata gebildet.
Die Larven der Minierfliegenarten Liriomyza tanaceti und Phytomyza tanaceti, minieren die Blätter des Rainfarns
Verwendete Teile:     Blätter und Blüten
Inhaltsstoffe:              Kampfer, Borneol, Thujon
Färberrezepte: Dorothea Fischer gibt in ihrem Buch “Naturfarben auf Wolle und Seide” an, dass 200 Prozent getrocknetes Rainfarnkraut (bezogen auf das Trockengewicht des Färbegutes) genommen werden sollen. Bei frischen bedeutet das noch einmal knapp das Doppelte. Ebenfalls von Frau Fischer stammt die Angabe von 15 % Alaun als Beizmittel.
Beispiel: bei 500 g Wolle benötigt man 1000 g getrocknetes oder 2000 g frisches Rainfarnkraut und für das Beizbad bei 15 % Alaun 75 g.
Ich habe mich an diese Vorgaben gehalten, allerdings habe ich die Kaltbeize benutzt.
Färbevorgang: Zur Herstellung des Färbesudes habe ich das das Kraut und die Blüten von den Stängeln befreit und in einem Bottich 24 Stunden in Regenwasser eingeweicht, dann etwa zwei Stunden lang gekocht und über Nacht abkühlen lassen,

abgeschüttet, durch eine alte Gardine geseiht und zwei Färbebeutel daraus gemacht, die Wolle in den Sud eingelegt und den ersten Färbebeutel dazu gegeben. Zum Färben eine Stunde sanft kocht, dann gut ausgespült und dem letzten Spülgang einen Schuss Essig zugegeben.
Für den zweiten Auszug habe ich einen neuen Färbebeutel zum Sud und der neuen Wolle dazugegeben. Nach einer Stunde konnte ich keine nennenswerte Änderung zum ersten Auszug feststellen. Ich habe daher 15 g aufgelöstes Eisensulfat in den Sud gegeben und alles zusammen noch einmal 30 Minuten sanft kochend weiterentwickelt. Wolle herausgenommen, gespült und dem letzten Spülgang einen Schuss Essig zugegeben.
Färbeergebnis:    1. Auszug gelbgrün
2. Auszug grün
Fazit:                       Schöne Farbtöne, Färbung empfehlenswert. Außerdem mag ich den Duft. Aber
Geschichte und Anmerkungen:           Achtung! Rainfarn ist stark giftig.
Bezugsquellen:   Im Internet findet man diverse Shops die getrockneten Rainfarn oder Rainfarn in Form von ätherischen Ölen verkaufen. Die angeboten Mengen dienen zum Räuchern, als Heilmittel oder als Pflanzenschutzmittel. Zum Färben ungeeignet, da zu teuer. Man muss schon selbst sammeln.

Mittwoch, 19. Februar 2014

Blau mit Weißbuche?

Ich habe heute in einem Färbebuch was interessantes gefunden. Und zwar soll die innere Rinder/der Bast der Weißbuche ( Carpinus betulusauch Hainbuche genannt) Graublau färben.

In dem Rezept wird die Rinde für mehrere Tage in einem Eisentopf eingeweicht und dann ausgekocht. Das Verhältnis von Wolle zu Rinde beträgte 1:2.
Das einzig störende an dem Rezept, dass sie bei der Färbung Kupfersalz (giftig und umweltschädlich) verwenden. Aber ich denke auch ohne das Kupfersalz wäre es doch vielleicht einen Versuch wert.

Liebe Grüße
Anne

Samstag, 15. Februar 2014

Gruppeneinteilung

Ich würde von euch Teilnehmern gerne wissen, wie ihr das seht.

DocMarten hat im letzten Post den Vorschlag gemacht, dass, sollten wir bis Ende Februar keine weiteren Teilnehmer finden, um in allen drei Gruppen 10 Personen zu haben, mit den schon angemeldeten die Gruppen auf 5 bzw. 10 Teilnehmer auffüllen.
Ich hab da nichts gegen - werde eh querbeet färben.



Für jene aus der Gruppe der einheimischen Pflanzen:

Bitte schreibt mir und den anderen Gruppenmitgliedern, mit welchen Pflanzen (kleine Auswahl) ihr denn gerne färben würdet. In diesem Jahr sollen ja auch wieder Steckbriefe entstehen, und so kann schon einmal langsam abgeklärt werden, wer was nimmt, Gerade für jene, die zum Beispiel mit Rinden färben wollen, wäre das gut zu wissen, denn die möchten ja zum Teil auch noch gesammelt werden.

Für die Blaufärber - Blaufärbende Pflanzen - darf ergänzt werden:

- Indigo  (Indigofera tinctoria)
- Waid   (Isatis tincoria)
- Wilder Indigo ( Baptisia tinctoris)
- Färberknöterich (Polygonum tinctorium)
- Blauholz (Haematoxylum campechianum)
- Ligusterbeeren  ( Ligustrum vulgare)
- Schwarze Bohnen (Black Beans)
- Schwarze Stockrose ( Alcea rosea var nigra)

Im Netz habe ich dann noch als blaufärbende Pflanzen folgende gefunden,
die aber eher schlecht bis gar nicht zu beschaffen sind:

- Blaue Klitorie (Clitoria ternatea)
- Färber Oleander (Wrightia tinctoria)
- Färber Tephrosia (Tephrosia tinctoria)
- Teufelsabbiss ( Succisa pratensis)
- Marsdenie (Marsdenia tinctoria)
- Haariger Indigo (Indigofera hirsuta)



Liebe Grüße,
Anne

Dienstag, 11. Februar 2014

Materialfragen

Ich habe jetzt erstmal pro Gruppe 10 Teilnehmer eingeplant. Die Hälfte an Teilnehmern haben wir fast zusammen. Bei 10 Teilnehmern pro Gruppe wäre ich für 1kg Wolle, die jeder als Projekt färbt. Oder besteht auch Interesse an Seide?

Bei der Färbegruppe, die auf Pflanzenfaserns färben möchte, wäre es denke ich sinnvoll, je 500g Baumwolle und 500g Leinen als Material zu nehmen. Ich gehe hier von Garnen aus - sollten lieber Gewebe gefärbt werden, so gebt mir bescheid. Ich denke nur,dass man mit einem Garn mehr anfangen kann, als mit verschiedenen Stoffstücken. Nichtdestotrotz wäre es ja möglich, nebenher noch Gewebestücke als Färbung mitzureichen.

Wie seht ihr das?

Ich werde zum Wochenende hin, die Beizen für die Pflanzenfasern hochstellen. Da werden ja auch noch andere Materialien benötigt.

Liebe Grüße
Anne



P.S.: Alle, die mit noch nicht ihre emailadresse zugesendet haben, mögen das bitte möglchst bald machen. Und wer noch jemanden kennt, dem dieses Projekt Spaß machen könnte, dem schlagt es vor! ;)

Sonntag, 9. Februar 2014

Auf ein Neues!

So, ich habe ein wenig hier im Blog aufgeräumt und die meisten Beiträge, die eher Paketrückfragen oder Strangportionen betrafen gelöscht. Vielleicht schaff ich es heute Abend auch noch, einen Überblick über die noch fehlenden Beiträge zu bekommen.

Da es je nun doch eine Pflanzenfarbenrunde in 2014 geben wird, werde ich hier mal gerade eine kleine Aufstellung der Personen machen, die sich bisher bei mir gemeldet haben und bitte, sobald ich das Projektdokument geändert habe, um Rückmeldung.

Hier nun nocheinmal die verschiedenen möglichen Projekte:

"Alles Blau - experimentelles Blaufärben über Indigofera tinctoria hinaus."

-> In dieser Gruppe sollen diverse Blaufärberezepte, verschiedene blaufärbende Pflanzen und Gärmethoden je nach Gruppenbereitschaft ausgetestet werden. Das Ziel sollte sein, sich näher mit den Blaufärbern zu beschäftigen, sie gegebenenfalls selbst anzubauen und zusammen zu experimentieren.



"Färben mit einheimischen Pflanzen, Rinden und co."

-> Hier geht es ans (maßvolle) Sammeln vor der Haustür und im Garten. Experimentelles Verarbeiten des Grünschnitts oder der Pflanzenbestandteile, die man sonst vielleicht auf den Kompost geschmissen hätte, sowie eine Übersicht der in Mitteleuropa heimischen Farbpalette.


"Färben von Pflanzenfasern - und zwar pflanzlich!"

-> Thema dieser Gruppe soll es sein, sich gemeinsam ans Färben von Pflanzenfasern (Baumwolle, Leinen, Nessel, Viscose) zu wagen und alte Rezepte zu erproben. Dies beginnt schon bei einer anderen Form der Beize.




Alles Blau
Einheimische Pflanzen
Pflanzenfasern
Saskia
Anne (Rosendame)
Ingrid
Christina S.
Monika C.
Carolin S.
Marled M.
Ruth P.
Laura

Katja P.


Stefan

 
Wie ihr seht - es sind noch reichlich Plätze frei.


Nachdem wir uns letztes Jahr darauf geeinigt haben, dass wir dieses Jahr nur reine Wolle, d.h. keine Sockenwolle oder andere Garne mit Polyanteil, färben wollen, werde ich jetzt mal die Datei abändern. Für die Färber der Pflanzenfasergruppe wird es natürlich keine Schurwolle sein.
Wer Ideen oder Vorschläge diesbezüglich hat, bitte einfach melden.

Liebe Grüße


P.S.: Die Autorenfunktion vergebe ich die Tage wieder neu, bitte schreibt mir dazu nochmal eine Mail mit eurer aktuellen Blogger-Adresse, da hab es letztes Jahr ein paar Schwierigkeiten.
Anne